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In meine Arbeit fließen unter anderem Gedanken von folgenden Autoren und ihren Werken ein:

  • Manuel Schoch, Das Tao des Glücks - Aschtavakra - Meditationen zu Texten altindischer Weisheit, München 2007
  • Manuel Schoch, Das Tao des Glücks - Aschtavakra - Meditationen zu Texten altindischer Weisheit, München 2007
  • Manuel Schoch, Frei sein - Spirituelle Lebenspraxis als Weg, München 2009
  • Manuel Schoch, Time-Therapie - Heilung aus der Qualität, Winterthur 2000
  • Ralph Metzner, Hineingehen - Wegmarken für die Transformation, Freiburg 1987
  • Ralph Metzner, Der Brunnen der Erinnerung - Von den mythologischen Wurzeln unserer Kultur, Braunschweig 1994
  • Lou Marinoff, Bei Sokrates auf der Couch - Philosopie als Medizin für die Seele, München 2002
  • Daniel Pinchbeck, 2012 - Die Rückkehr der gefiederten Schlange, München 2007
  • James Hillman und Michael Ventura, Hundert Jahre Psychotherapie und der Welt geht's immer schlechter, Zürich 1993
  • Daniel Odier; Begierde, Leidenschaft & Spiritualität; Innenwelt-Verlag Köln 1999
Meine besondere Aufmerksamkeit gilt den Werken von Daniel Odier. Er hat die Jahrtausende alte Tradition des kaschmirischen Shivaimus in den Westen gebracht und praktiziert eine Meditationsmethode, die für den modernen Menschen hervorragend geeignet ist, den essentiellen Fragen und Problemen unseres Lebens zu begegnen.
In seinem von mir übersetzten Buch "L'incendie du coeur" - "Das entflammte Herz" führt er tief "in die innerste Essenz des tantrischen Weges ein und offenbart Geheimnisse der östlichen Weisheitslehre, die viele Jahrhunderte lang nur den Eingeweihten vorbehalten waren. Die einzigartige Kunst Odiers liegt darin, alles Zeit- und Kulturgeschichtliche zur Seite zu räumen und den wesentlichen, innersten Kern einer Tradition freizulegen. So gelingt es ihm stets, seine Leser mit bestechender Klarheit, aber zugleich auch mit radikaler Offenheit, auf das Herz des Weges aufmerkasam zu machen. Dem tantrischen Weg des "entflammten Herzens" zu folgen ist keine oberflächliche Angelegenheit. Dieser Pfad führt in die Konfrontation mit allen Halbwahrheiten und Abhängigkeiten; doch wer ihn mutig beschreitet, wird eine wundervolle Freiheit und wahre Herzensreinheit finden!" (Text auf der Umschlagseite)

Das Buch enthält den gesamten Text des "Spandakarika" - "Gesang des Erschauerns": 53 Verse und Kommentare von Daniel Odier, jeweils akzentuiert durch Textzitate aus der kaschmirischen Tradition.





Daniel Odier

Das entflammte Herz
Übersetzung aus dem Französischen
von Hanns-Martin Hager

Grafing, Aquamarin Verlag 2009
ISBN 978-3-89427-504-4




Textauszug

Wie kann man in Harmonie mit dem Kosmos sein? Es scheint, dass dafür bestimmte Vorbedingungen unerlässlich sind: sich von jedem Glauben lösen, die Metaphysik den Anhängern des Absurden überlassen, be­grei­fen, dass Hoffnung nur Angst ist, die eine schlechte Wendung genommen hat, der Wirklichkeit direkt gegenüber treten, aufhören, den roman­ti­schen Traum einer Verwirklichung aufrecht zu erhalten, die sentimentale Neurose vergessen, mit seinen eigenen Grenzen spielen, seine Ver­wir­rung betrachten, dem Leben ohne das Gerümpel des Religiösen und Spi­ri­tuellen die Stirn bieten, ohne so zum bornierten Materialisten zu werden, der den Rationalismus zum neuen Gott erhebt, Mut zur Einsamkeit ha­ben, Essenz und Wirklichkeit nicht als Gegensätze sehen, ganz aufgehen in den Freuden der reinen Subjektivität, verstehen, dass alles real ist und – endlich – eines Tages sich der jubelnden Stille bewusst sein. Kann man sagen, dass ein solches Sein ein mystisches ist? Nach den Shivaiten ja. Nach den Meistern des Chan ja; nach den Praktizierenden des Mahamudra ja. Es genügt tatsächlich, zu allem nein zu sagen oder zu allem ja zu sagen und ein Bilderstürmer zu sein, der soweit geht, das Vehikel zu vergessen, das ihn zu dieser Form des radikalen Denkens geführt hat. Insgesamt gesehen eine verrückte Weisheit. (S. 15)

...

Alle relativen, ans Ego gebundenen Begriffe finden ihre friedvolle Quelle wieder, die zutiefst vergraben ist unter den verschiedenen Seinszuständen.

Um eine Wahrheit zu etablieren, braucht es ein Ego. Ohne Ego ist die Wahrheit die Gesamtheit aller Wahrheiten. Wenn wir bedenken, dass alles wahr ist, finden wir die friedvolle Quelle, in der sich ein Bild nach der anderen auflöst. Der Raum un­seres Denkens wird unendlich, wird zum Ort des Übergangs, zum Bett eines Flusses, der nicht mehr zu verstehen sucht, ob die Blätter und die dünnen Zweige „wahr“ sind. So verlieren sich in diesem Fluss die relativen Begriffe im Himmel der Gesamtheit. Wer könnte da noch debattieren und wer obsie­gen? Wachzustand, Traum und Tiefschlaf sind durch die Abwesenheit wider­sprüchlicher Wahrheiten miteinander verbunden. Alles ist wahr, alles ist illusorisch, alles ist wirklich. Diese Realität schließt Materielles wie Immaterielles ein, ebenso Wan­del­ba­res wie Unwandelbares. Das Bewusstsein ist der Fluss der Einheit, es gibt keine Spaltung mehr im Leben von Yogini und Yogi.

Saraha ergriff das Wort:

Der Yogi sucht nicht den nichtbegrifflichen Geist,

er sucht nicht seine natürlichen Eigenschaften.

Er erhellt einfach die gegensätzlichen Bedingungen.

Das kann nicht quer durch die Texte entdeckt werden;

ein Geist ohne Suche und ohne Festlegung

bleibt frei von jeder Verunreinigung.

Die essenzielle Natur des Geistes ist losgelöst

von negativen wie positiven Eigenschaften.

Um das zu verwirklichen, ist keine Suche notwendig,

denn der Geist, der die Suche aufgibt,

ist nichts anderes als die große und erhabene Glückseligkeit.

Derjenige, der seinen Geist auf die Nicht-Unterscheidung ausrichtet,

wird höchste Erleuchtung erlangen.

Hat der Mystiker, der diesen Zustand verwirklicht hat,

es nötig, anzunehmen oder abzuweisen, was es auch sei?

Ich habe keinerlei Wirklichkeit bestritten oder aufgegeben!

Du, mein Sohn, empfehle keine andere Vollendung!

Verwirkliche den Sinn dieser reinen und letzten Wirklichkeit,

das ist der beste Weg, um die Gegenwart

in ihrem Zustand natürlicher Glückseligkeit zu belassen,

ohne betroffen zu sein von Annahme oder Ablehnung,

von Ausführung oder Verhinderung.12


Das Ego ist der erektilste Teil des Körpers! Es ist eine wun­derbare Übung, einmal einen ganzen Tag damit zu verbringen, alles zu be­obachten, was sich diesbezüglich abspielt und ein unmittelbares Bewusstsein für die krampf­haften Bewegungen des Ego zu entwickeln. Lalita Devi forderte von mir oft, ihr ganz detailliert einen mehrstündigen Abschnitt meines Lebens zu beschreiben. Das konnte lange dauern, denn sie wollte absolut alles wissen. Sie verlangte so präzise wie möglich Rechenschaft über alle senso­rischen, emotionalen und mentalen Bewegungen. So wurde mir deutlich, wie wach das Ego ist, und wie manchmal nur ein Luftzug genügt, damit es sich sofort auf­rich­te­t. Die verschiedenen Erektionen des Ego zu beobachten, eröffnet die Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, wie sich das Erschauern einstellt, sobald sich das Ego niederlegt und der Kör­per sei­ne räumliche Dimension wieder findet. Es ist bekanntlich sehr leicht, das Ego von jemandem zu provo­zieren. Dabei ist die kleinste Bemerkung imstande, es reagieren zu lassen. Das Ego ist wie ein Sprungdeckelschachtel, der in den Geschäften für Spaß- und Scherzartikel ver­kauft wird. Ein Teufelchen schnellt hoch in den Raum, wenn wir den Deckel öffnen. Sobald man sensibel für die sphärische Annäherung an das Leben wird, schwächt sich das Phänomen ab, und hält schließlich an.

Wenn man weiß, wie das Ego angesichts von Kritik genauso erigiert wie auch angesichts von Komplimenten, und wir dann Dinge zu begreifen be­ginnen, ohne eine Reaktion des Ego, dann machen wir eine Erfahrung, den Körper loszulassen, die ziemlich befremdlich ist, weil sie eine Entspannung der Atmung auslöst. Der Effekt ist merkwürdig, denn wir sind betroffen von dem, was wir hören, aber der Teufel verlässt die Sprungdeckelschachtel nicht. Es gibt zwei miteinander verbundene Bewegungen. Wir spüren, dass das für das Ego bestimmt ist, aber wir wissen nicht mehr allzu gut, wo es sich befindet. Das Ego ist auf einem Spaziergang. Es wird später wie­der­kommen. Vielleicht ist es nur gegangen, um den Hund auszuführen oder eine Videokassette auszuleihen. Seine Energie verliert sich in einem gi­gan­ti­schen Raum, wie ein kleines Spermium im Unendlichen, das etwas sucht und nichts findet. Es wird verwirrt und endet, indem es explodiert. (S. 53 ff.)


 



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