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"The most important is not the enlightenment or the liberation; the most important is the ending of the suffering."
Manuel Schoch

Ananda und der Papagei

Ananda ist mit seinem Lehrer Abhinavagupta unterwegs. Sie sind müde, als sie am Abend in die Nähe eines Dorfes kommen.
Geh in das Dorf und hole uns etwas zum Essen!“, sagt Abhinavagupta zu seinem Schüler.
Ananda geht in das Dorf. Es ist ganz still, kein Mensch ist zu sehen. Plötzlich hört er, wie jemand seinen Namen ruft: „Ananda, Ananda …“
Er geht der Stimme nach und kommt zu einem Haus, in dem eine alte Frau lebt.

Ich habe gehört, wie jemand meinen Namen gerufen hat; dabei kenne ich doch hier niemanden.“
Die Frau entgegnet ihm: „Ich habe einen Traum gehabt, in dem mir gesagt wurde, daß ein berühmter Meister mit seinem Schüler Ananda in unser Dorf kommen würde. Ihr braucht was zu Essen, stimmt’s? Ich habe schon was vorbereitet.“
Die Frau gibt ihm zwei Schalen mit Essen.

Aber wer hat mich bei meinem Namen gerufen?“ - fragt Ananda.
Geh’ in das Zimmer nebenan!“, sagt die Frau.
Ananda geht nach nebenan. Dort sitzt ein Papagei in seinem Käfig.
Der ruft: „Ananda, Ananda!“

Woher weißt du wie ich heiße?“ - fragt Ananda.
Von meiner Hauswirtin. Sie hat mir von ihrem Traum erzählt. Aber sag’, bist du wirklich mit einem echten Meister unterwegs?“
- „Ja!“
Dann geh mit dem Essen, das du von uns bekommen hast, zu deinem Meister und stelle ihm zwei Fragen: Erstens - ob er wirklich einer echter Meister ist, ...“
Aber daran gibt es keinen Zweifel!“
Dann frag’ ihn noch, wie man die letzte Freiheit erlangen kann.“
Ananda geht mit den beiden gefüllten Essschalen zurück zu Abhinavagupta.

Na, ich sehe, du hast uns was zu Essen mitgebracht. War es schwer, was zu bekommen?“
Eigentlich nicht, da war nur so ein komischer Vogel, der mich dauernd bei meinem Namen gerufen hat, …“
Die beiden fangen an zu essen.

Ja, und?“
Der Vogel hat mir zwei Fragen an dich mit auf den Weg gegeben.“
Und wie lauten sie?“
Ananda zögert. „Ich trau’ es mich kaum zu fragen, ehrwürdiger Meister … Der Papagei will wissen, ob du wirklich ein echter Meister bist?“
Darauf verdreht Abhinavagupta die Augen, gibt ganz komische Geräusche von sich und fällt wie tot um.
Ananda kriegt einen riesigen Schrecken. Er macht sich Vorwürfe, die Frage gestellt zu haben.
Nach einer Zeit der Ohnmacht richtet sich Abhinavagupta plötzlich wieder auf und ißt weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Am anderen Tag wird Ananda von seinem Meister erneut ins Dorf geschickt, um Essen zu holen. Wieder geht er in das Haus der Frau mit dem Papagei. Während die Frau die Schalen füllt, fragt der Papagei: „Und, hast du ihm die zwei Fragen gestellt?“
Ehrlich gesagt, es ist nur zu einer Frage gekommen.“
Warum das?“ fragt der Vogel.
Na, als ich Abhinavagupta fragte, ob er wirklich ein echter Meister sei, hat er so komische Geräusche gemacht …grmmpfhhhmgrrrrwumm… und ist wie tot umgefallen.“
Ist das alles?“ - fragt der Vogel
Ja!“
Darauf macht der Papagei …grmmpfhhhmgrrrrwumm… und fällt in seinem Käfig von der Stange. Ananda erschrickt und holt die Frau des Hauses. Die verfällt sofort in lautes Geheul, geht zum Käfig, nimmt den Vogel heraus und sagt schluchzend und vorwurfsvoll zu Ananda:
“Was hast du getan, daß er tot von der Stange fällt?“
In dem Augenblick richtet sich der Papagei auf, breitet seine Flügel aus, fliegt auf den Dachfirst des Hauses und ruft Ananda von dort oben zu:

Du rennst auf der Suche nach absoluter Befreiung jahrelang einem Meister hinterher, und ich brauche dazu gerade mal fünf Minuten.“

(Abhinavagupta war ein einflussreicher indischer Poet, Philosoph und Weisheitslehrer; er lebte um 1000 nach unserer Zeitrechnung in Kaschmir)

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