"Ich sage euch: Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können." Zarathustra - Friedrich Nietzsche
Solche Art Aufforderung zu radikaler Kreativität findet heute sprachlich einen anderen Ausdruck: Just do it! - so lautet der Werbeslogan eines Sportartikelherstellers, der die Menschen in Bewegung bringen möchte.
Bewegung ist die Ursignatur der Evolution. Das Universum kann nur existieren, weil es in ständiger Ausdehnung und damit Bewegung ist. Die archaischen Schöpfungsmythen erzählen davon, wie die Götter aus dem Chaos den Kosmos erschufen und ihm eine Ordnung gaben, wie die Natur ihre schier unzähligen Variationen entfaltete und wie dieser Prozeß schöpferischer Bewegung andauert. Genau so beweglich zeigt sich der Mensch in Fabrik, Werkstatt, Atelier, Studio oder Labor als Schöpfer eines Universums von Dingen.
Kreativität, eine Gabe Gottes oder der Natur? Jeder Mensch besitzt kreatives, d.h. künstlerisches Potential. Im Werkeln, Tüfteln und Improvisieren, im Dichten und Denken wird es wahrnehmbar. Der eine sprudelt vor Phantasie, der andere ist technisch-innovativ, wieder ein anderer ist vielleicht ein bißchen verrückt, wittert Trends oder spürt Versunkenes wieder auf. All diese kreativen Kräfte speisen sich aus einem lebendigen Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen. Über die Sinne sind wir in Kontakt mit der Welt.
 Diese sinnlichen Energien brauchen Raum, in dem sie keimen und sich entfalten können. Bei Psychotherapie und Lebenskunst soll dafür Platz sein - für die geheimnisvollen Verabredungen zwischen Idee und Form. Wie in Ekstase verbinden sich Traum und Tat, Motiv und Motivation, Geistesblitz und Gestaltung zu einem schöpferischen Prozeß. Das jedem Menschen eingeschriebene Unverwechselbare, Authentische zu entdecken und kunstvoll ins Leben zu bringen, ist Absicht und Ziel einer therapeutischen Lebenskunst, ob im privaten Bereich oder in der beruflichen oder gesellschaftlichen Arena.
Es ist so ziemlich das genaue Gegenteil zu den meisten gängigen Therapiemethoden und -schulen, die auf Anpassung des Menschen an die von außen herangetragenen Bedingungen der Welt ausgerichtet sind und das möglichst reibungsloses Funktionieren des Individuums gewährleisten sollen. Lebenskunst als kreativer Prozeß ist eng verwandt mit dem absichtslosen Spiel.
"Wir wissen, daß unter allen Zuständen des Menschen gerade das Spiel und nur das Spiel es ist, was ihn vollständig macht. ... Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."
Friedrich Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen
Aber wie finden die unverwechselbaren Ideen ihre originale Form im Leben? Und wo befindet sich der Ort, an dem Mensch und Ding, Natur und Technik, Heiliges und Profanes, Substanz und Form zusammenfinden? - Wie kann das glücken, was bisher noch nie da gewesen ist?
Die Antwort: Indem wir es wagen einen Raum zu betreten, der sich wie zwischen den fünf Eckpunkten einer Pyramide aufspannt, jenem geometrischen Körper, der seit Jahrtausenden als Symbol gilt für die Macht der mythischen Kräfte, für uralte, vergangene Zivilisationen und für konzentrierte Energie.

Die fünf Eckpunkte gleichen essentiellen, lebensnotwendigen Kräften.
An der Basis:
- Bewegung ist die Kraft zur Ausdehnung und Entfaltung
- Berührung ist der Ausdruck unseres Kontaktes mit allem, was die Welt an spürbarer Nähe bereit hält
- Beobachtung von allem was ist, besonders die Beobachtung meines Inneren - ohne zu interpretieren oder zu werten, reaktionslos
- Begeisterung für das Schöne, das Nützliche und das Geheimnisvolle, für die Lust am Sein und am Design
An der Spitze:
- Präsenz, die die Köstlichkeit des Augenblicks einfängt und zur Intuition für das unmittelbar Naheliegende anregt
Alle, die privat oder beruflich mit Herz und Mund und Hand und Hirn - also mit der Summe aller Sinne - ihr kreatives Potential erforschen, ungewöhnliche Methoden ausprobieren und neue Wege gehen wollen, sind eingeladen, aus der Zeit heraus zu treten - OUTSIDE OF TIME - und Lebenskunst ganz persönlich zu entwickeln.
Willst du eins sein mit dem Tao, so tue deine Arbeit und laß los. Andere zu kennen, zeugt von Intelligenz. Sich selbst zu kennen, zeugt von wahrer Weisheit. Herr zu sein über andere, bedeutet Stärke. Herr zu sein über sich selbst, bedeutet wahre Kraft.
Lao Tse - Tao Te King
|