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Psychotherapie und Lebenskunst
Die Welt

Die Welt ist alles, was der Fall ist.

Ludwig Wittgenstein

Eine aktuelle Zustandsbeschreibung dessen, was in der Welt der Fall ist, könnte etwa so lauten:

Alles, immer, überall, gleichzeitig und sofort.

Wir sind dauerbeschleunigt im beruflichen wie privaten Leben, gestreßt durch Termindruck bis hinein in die Freizeit, überflutet von schier unüberschaubaren Mengen an Informationen, virtualisiert vom Cyber-Space, terrorisiert vom allgegenwärtigen Konsum, flexibilisiert bis zur Selbstauflösung.

Dazu kommen wachsende anonyme Sozialstrukturen, Sinnkrise, Leistungsdruck, Erfolgszwang, ständig nur noch Top-Form, cooles Image, klare Linie, unnahbare Eleganz.

Mit anderen Worten: ein alles in allem anstrengendes Leben im Multi-Tasking-Modus, belastet mit allerlei Risiken und Nebenwirkungen. Für Körper, Geist und Seele geradezu eine Einladung, die Systeme unseres Body-Mind-Computers direkt in die Krise eines psychischen  Festplatten-Crashs hinein zu steuern. Dabei ist "Krise" nicht einfach nur eine mißliche Situation, sondern dem ursprünglichen Wortsinn nach wesentlich eine Chance für Entscheidungen.

Die Palette der Angebote für ein glückliches und gesundes Leben ist weit gefächert. Sie reicht von der klassischen Psychotherapie, die alle möglichen Neurosen und Fehlsteuerungen aus der Vergangenheit zu erklären sucht, erstreckt sich über effektivitätsorientiertes Coaching und positives Denken bis hin zu spirituellen Wundermethoden. Was tun? - Beim Nachdenken schiebt sich noch eine andere Beobachtung vor das innere Auge:

Irgendwie scheint alles überall immer ähnlicher zu werden. Rund um den Globus sind alle möglichen Marken zu haben. Das bekannte bayerische Weißbier in der Strand-Bar im westindischen Goa genauso wie die berühmte koffeinhaltige, braune Limonade in Katmandu am Fuße des Himalaya. Und die Medien sorgen für die Verbreitung immer ähnlicher werdender Lebensstile. Einerseits genießen wir die Vielfalt an Komfort und Events, andererseits leiden wir unter Zwängen und Selbstwidersprüchen - individuell, sozial, ökonomisch und ökologisch.

Die Sensiblen suchen zunehmend, worauf es im Leben wirklich ankommt. Die Opulenz materieller Güter weckt immaterielle Bedürfnisse. Was ist der Sinn inmitten des ganzen konsumierbaren Glücks? Selbst die traditionell religiös Geprägten, die zur Kirche gehen, sehnen sich nach mehr Sinnlichkeit. Läßt sich das Geheimnis des Göttlichen lebendig erfahren? Und wie läßt es sich ethisch und authentisch ausdrücken?

"Erst wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles."

So hat es der Philosoph Theodor W. Adorno zungenbrecherisch formuliert. Der ständig in uns ablaufende innere Dialog späht nach einer Lücke im System. Auf diese Lücke kommt es an. Genauso wie im Gehirn zwischen den Nervenzellen die Synapsen (eine Lücke, leerer Raum) notwendig sind, damit Informationen übermittelt werden können.

Unaufhaltsam schleicht sich eine Erkenntnis in's Bewußtsein:

"Alles könnte anders sein, wenn wir uns über die immer gleichen vorgefertigten Schablonen hinaus entwickeln könnten."

Schaufenster, Monitore, arachaische Mythen oder Musik nähren die Bilder vom anderen, vom guten Leben. Gegenwelten sind lebenswichtig. Was dem einen der wöchentliche Blick auf die Fußball-Bundesliga ist, ist dem anderen der Event einer Techno-Rave-Nacht und dem dritten der sonntägliche Kirchenbesuch. Ohne Überschreitung hin zum ganz Anderen dreht sich die Welt des täglichen Einerlei im Kreis. Andächtig anhimmeln oder gehorsam das machen, was (fast) alle machen, ist eine Möglichkeit.

Kreativ ausprobieren und selber machen, wer man ist, was man braucht, ist die andere Option - reizvoll und anstrengend zugleich. Lebenskunst üben, Lebenskünsler werden. Leben oder gelebt werden? - Das ist die Frage.

Was verbindet Wirklichkeit und Utopie (= das was noch keinen Ort hat) in unserem privaten Leben wie in Gemeinschaft? Wie tauschen wir Wünsche und Ängste lebendig aus, damit zwischen dem Ich und dem Du, dem Eigenen und dem Anderen mehr Empathie die postmoderne Coolness sprengt? Diesen Fragen und Gegebenheiten widme ich mich in der Praxis für Psychotherapie und Lebenskunst.

Am Ende Deiner Reise wirst Du nicht gefragt:
"Bist Du ein Heiliger geworden oder hast Du für das Heil der Menschen gekämpft?"
Die einzige Frage, die Du beantworten mußt, ist die Frage:
"Bist Du Du selbst geworden?"

Laotse

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